Prunk- & Narrensitzung der Herbolzheimer Karnevalsgesellschaft e.V.
"Till von Europa" für Ernst Schilling.
550 Zuschauer, 140 Akteure auf der Bühne, vier Stunden närrische Unterhaltung: Bei der Prunk- und Narrensitzung der Herbolzheimer Karnevalsgesellschaft e.V. (HKG) wurde nicht gekleckert, sondern geklotzt. Mit Büttenreden, Comedy-Einlagen, Männerballett, Showtanznummern und Schunkelrunden — vom Hofbräuhaus bis zur Nordseeküste. Und mit einer Preisverleihung: Herbolzheims Bürgermeister Ernst Schilling ist frischgebackener Träger des "Till von Europa" - der höchsten Auszeichnung, die von der Föderation Europäischer Narren (FEN) vergeben wird.
Die, so FEN-Vizepräsident Berthold Schneider, werde im Jahr nur ein einziges Mal verliehen — in Anerkennung "besonderer Dienste" um die Fasnacht. "Ich war schon vier, fünf Mal während der Fasnet in Herbolzheim" , sagte Schneider, "und der Bürgermeister ist immer als Narr dabei und nimmt auch als Narr an Umzügen teil — auch in den Teilorten." Ebenfalls ausgezeichnet: HKG-Präsident Werner Fritz. Er bekam den Verbandsorden in Gold überreicht.
Damit war der förmliche Teil der Herbolzheimer Fasnet vorbei — und das Bühnenprogramm konnte beginnen. Erste Nummer: Der Marschtanz der Mini-Garde. Erste Büttenrede: "Hämmes Partnervermittlung" . Helmut Dold, Kuhbacher Original und Experte für Klamauk und Kalauer, witzelte über die Liebe und die weiten Wege zu ihr: Alleinstehende Dame mit sechs Richtigen sucht Herrn mit einem Richtigen. Und so weiter.
Einen starken Auftritt hatte das Damenquartett USCA — bestehend aus Ulrike (Bannwarth), Scholastika (Seitz), Christine (Geppert) und Annerose (Schlenker). Sie interpretierten bekannte Schlager griffig um. Der Tag, als Conny Kramer starb, wurde zum "Tag, an dem das Krankenhaus starb." Eine Premiere in der Bütt feierte Reinhard Fees als "ä Rebwiebli" — mit Witzen über die Stadt, ihre Einwohner und nicht zuletzt auch den Elfer-Rat der HKG. Petra Ganter und Patrik Moser traten als "Prinzenpaar für einen Abend" auf die Bühne und kabbelten sich nach Herzenslust. Wer ist wichtiger? Prinz oder Prinzessin?
Gerhard Unmüßig als "Ein Dorftrottel" wiederum präsentierte sich als Wunderkind: "Ich hab mit Sechs schu so viel gwisst wie hit." Die Jockele brachten eine Wetten-Dass "Nummer aufs Parkett" — inklusive den Stargästen Dieter Bohlen und Paris Hilton. Und das "Buure Quartett üs Richebach" bewies, dass vier Gitarren nicht nur am Lagerfeuer für Stimmung sorgen können, sondern auch an Fasnet.
Büttenreden und Comedy-Einlagen sind wichtig — aber längst nicht alles. Und ohne ein zünftiges Männerballett wäre eine Prunk- und Narrensitzung nicht dasselbe. Die Laue-Briggle-Hexen setzten schon früh am Abend mit ihrer Marschmusik-Akrobatik "Ranzen Tanzen" einen Höhepunkt inklusive einer erstaulich stabilen menschlichen Pyramide. Ebenfalls als Tänzer auf der Bühne: Die kleinen Kadetten als Vampire, die Jugendgarde mit ihrem Marschtanz und die Bürgergarde mit einem fetzigen Showtanz-Medley. Die Tanzgarde trat als "Die Azteken" auf die Bühne, die Hüttenbühlgeister als "Ghosts of Dance" , und beim Finalauftritt zeigten die Herbolzheimer Narren, dass sie auch als "Bongo Man" ihren Mann stehen können. Und ihre Frau, selbstverständlich.
Undenkbar: Eine Prunksitzung ohne Musik — für die Schunkelrunden und die obligatorischen Tuschs sorgte die Stadtmusik Herbolzheim unter ihrem Dirigenten Wolfgang Peter.
Ebenfalls undenkbar: Ein mehrstündiges Programm ohne Pause — eingeläutet mit passendem Reim vom Karnevalspräsidenten Werner Fritz: "Wer rauche will, muss drauße rauche" drum mache wir jetzt 15 Minute Pause."
Bericht von Patrik Müller


