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Herbolzheimer Narren stanzen ihr Konfetti selbst

Konfettitechnisch führen die Herbolzheimer Narren ein sorgenfreies Leben: Seit 30 Jahren sichert eine ausrangierte Blechstanze die hauseigene Schnipsel-Produktion.

Die Badische Zeitung ist schlecht. Die Süddeutsche, die Frankfurter Allgemeine und die Zeit auch. "Das gibt nur ein Gewurstel", sagt Andreas Läufer, "das Papier kriegt man nicht richtig durch die Maschine durch." Der 45-jährige Herbolzheimer kennt sich aus: Er ist einer von rund 50 Karnevalsfans im Ort, die Jahr für Jahr ihr eigenes Konfetti herstellen – aus alten Magazinen und Katalogen. Eine Menge Arbeit: Allein beim großen Umzug am Fastnachtssonntag werden rund 300 Kilogramm der bunten Papierschnipsel benötigt.

Andreas Läufer beim Konfetti stanzenSie ist keine Schönheit. Sie ist alt und schwer und hat schon mal bessere Zeiten gesehen, an vielen Stellen ist der grüne Lack schon abgeblättert. Aber sie funktioniert. "Das ist echte Wertarbeit", sagt Läufer. Die Konfettistanze, die im Narrenschopf in der Maria-Sand-Straße steht, ist mehr als ein halbes Jahrhundert alt. Früher wurde Blech mit ihr gestanzt, aber das ist lange her. Heute gehört sie den Jockele, einer Unterabteilung der Herbolzheimer Karnevalsgesellschaft HKG. Und die haben die Maschine so umgebaut, dass sie Lesestoff in Wurfmaterial verwandelt.

Auf dem Boden liegt ein großer Stapel bunter Hefte, es sind vor allem Frauenmagazine und Reiseprospekte. Andreas Läufer greift sich eine Illustrierte und schiebt sie langsam mit beiden Händen in die Stanze. Die rattert und knallt und ächzt und schnaubt – und hat das Heft in wenigen Sekunden in Tausende bunter Schnipsel verwandelt. Ein kleiner Rest bleibt übrig – der fliegt in den Papiermüll. "Der eine hat mehr Ausschuss, der andere weniger", erklärt Läufer.

Die Herbolzheimer Jockele sind dafür verantwortlich, dass die HKG genug Konfetti hat. Jeder der 45 Jockele muss dreimal im Jahr zum Stanzen antreten. Meistens arbeiten sie zu zweit an der Stanze. "In einer halben Stunde macht man einen halben Sack", rechnet Läufer vor. Das Konfetti geht dann an die anderen Abteilungen – pro Jahr sind es zwischen 500 und 600 Kilogramm.

Wenn es erst einmal fertig ist. Das, was aus der Stanze kommt, ist noch nicht umzugsgeeignet, die Schnipsel kleben noch zu sehr aneinander. Die Lösung: Ausblasen. Die Konfettiballen kommen in einen Metallkäfig, in den Luft geblasen wird – so lösen sich die Konfettis voneinander. Beim Ausblasen tragen die Jockele Mundschutz, wegen des Staubes. Das geschieht einmal im Jahr. Dann wird das Konfetti in Säcke gefüllt, der Sack zu zehn Kilo.

fertiges Konfetti für die Herbolzheimer Karnevalsgesellschaft e.V.Die meisten anderen Zünfte und Karnevalsvereine kaufen ihr Konfetti. Ein Sack kostet dann auch mal zwanzig Euro oder mehr, und man braucht viele Säcke – vor allem dann, wenn man keinen schwäbisch-alemannische Fasnet macht, sondern rheinisch angehauchten Karneval. Rund 30 Jahre ist es her, dass die Herbolzheimer Narren den Schritt in die Schnipsel-Selbstständigkeit wagten. Sie hatten die Möglichkeit, in den Besitz einer ausrangierten Blechstanze zu kommen – und griffen zu.

Ihr Leben könnte, zumindest konfettitechnisch, sorgenfrei sein. Ein Problem gibt es jedoch: Nicht genug Papier. Die Herbolzheimer müssen sich Mühe geben, um an das nötige konfettitaugliche Altpapier zu kommen. Manchmal haben sie auch Glück. Am Montag zum Beispiel. Andreas Läufer, der gelernter KFZ-Mechaniker ist, lernte beim Arbeiten jemanden kennen – der stiftete zwei Anhänger voller Altpapier. Von Krise also keine Spur. Das Sammeln geben die Herbolzheimer trotzdem nicht auf. "Wenn wir hören, dass wir irgendwo Papier kriegen können", sagt Läufer, "ist das eigentlich immer interessant für uns."

Bericht und Bilder aus der Badischen Zeitung vom 12. Februar 2009. Autor: Patrik Müller