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Reden, Sketche, Tanz und Comedy bei der Prunk- & Narrensitzung 2009

Pfarrer haben normalerweise drei Fachgebiete: Glaube, Liebe und Hoffnung. Bei der Prunk- und Narrensitzung der Herbolzheimer Narren am Samstag präsentierte sich der evangelische Pfarrer Oliver Wehrstein vor rund 500 Zuschauern als ausgemachter Experte für die größte aller Tugenden: Die Liebe – sein Auftritt stand unter dem Motto "Ein Herz für alle." Jesus, sagte er, "hat die Sünder und die Außenseiter lieb gehabt – warum nicht auch die Kenzinger?"

Prunk und Narrensitzung der Herbolzheimer Karnevalsgesellschaft e.V.Der Gottesmann kam als Hippie auf die Bühne – mit Dreadlocks, Sonnenbrille und einer großen Fahne mit einem roten Herz darauf. Mit dabei: Andrea Haas – sie ist nicht nur erfahrene Närrin, sondern auch Mitglied der evangelischen Kirchengemeinde. "Der evangelische Pfarrer", plauderte sie, "hat wirklich alle lieb – ab 50 Euro Spende. Dann grüßt er einen sogar." Wehrstein nahm’s mit Humor und attestierte den Herbolzheimern die Extraportion Liebe. Auch die Fußballer seien nett. Sie würden es nicht übers Herz bringen, den Gegner unglücklich zu machen. Die Bahn wolle der Stadt mit ihren Zügen so nahe sein wie möglich – manche Herbolzheimerinnen hätten den Bahn-Planern sogar schon laut hinterhergepfiffen.

Ebenfalls ein Thema: Sein katholischer Amtskollege – Manfred Maria Huber hatte Mitte Dezember seinen Rücktritt erklärt, nachdem in der Gemeinde Kritik an dem als konservativ geltenden Priester laut geworden war. "Die Herbolzheimer haben eine liebenswerte, direkte Art", kommentierte Oliver Wehrstein bissig, "und so viel Liebe hat er einfach nicht ausgehalten."

Es war einer der umjubelten Auftritte an diesem Abend in der Herbolzheimer Breisgauhalle. Mehr als vier Stunden lang hatten die Narren ein buntes Programm geboten – mit Büttenreden, Sketchen, Tanzauftritten und Comedy-Einlagen. Die kleinen Kadetten und die Minigarde führten Tänze auf, Ulrike Bannwart und Bertram Herbstritt standen als "Opa mit Enkeltochter" auf der Bühne und präsentierten eine Dia-Show der besonderen Art: Ohne Dias nämlich – nur mit Mitgliedern der Herbolzheimer Jockele, die Szenen aus dem Leben der Herbolzheimer Karnevalsgesellschaft nachstellen. Anja Huser und Susanne Maurer als "Klärli und Marie" zeigten, was passiert, wenn sich Karnevalsprinzessinnen nicht mit dem dazugehörigen Prinzen verstehen. Applaus gab es auch für die 14-jährige Lorena Weber – sie gab bei ihrer gelungenen Bühnenpremiere ein Funkenmariechen.

Laue Briggle Hexen beim synchron Haar waschenEine sichere Bank sind in Herbolzheim die Auftritte von Ulrike Bannwart, Scholastika Seitz, Christine Geppert und Annerose Schlenker, auch bekannt als USCA. Sie trällerten über die Herbolzheimer Fasnet, Schönheitsboom und vieles mehr – einschließlich der sinnigen Textzeile: "Morgens auf der Toilette – wenn ich nur ne Rolle hätte." Die Hüttenbühlgeister lieferten sich einen Wettstreit mit Geisterjägern, die jungen Laue-Briggle-Hexen überzeugten als Hexencheerleader, die etwas älteren Hexen brachten eine Waschmaschine auf die Bühne – und shampoonierten sich die Haare mit echtem Wasser und echtem Shampoo ein. Zweimal sogar: Die Zugabe-Rufer waren unerbittlich.

Nach einem Marschtanz der Tanz- und der Jugendgarde sowie dem frenetisch gefeierten Mundart-Gitarristen vom "Buure Quartett Richebach" konnte HKG-Präsident Werner Fritz zu den Klängen der Herbolzheimer Stadtmusik das große Finale eröffnen – und noch einmal alle rund 150 Akteure des Abends auf die Bühne bitten. Damit war natürlich nur der offizielle Teil des Abends beendet – gefeiert wurde noch Stunden später.

Bericht aus der Badischen Zeitung vom 16. Februar 2009. Autor und Bilder: Patrick Müller